Ein Junge aus Italien
Ein Junge aus Italien
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Lucas Leiche wird am Ufer des Arno gefunden. Mord, Selbstmord, Unfall?<div> Mord, Selbstmord, Unfall? Die Frage bleibt unbeantwortet, wie ein angehaltener Atemzug, und öffnet einen Raum, in dem Gewissheiten bröckeln und der Intimität weichen.</div><div><br></div><div> Mit „Ein Junge aus Italien“ gelingt Mathieu Touzé eine einfühlsame und raffinierte Adaption von Philippe Bessons Roman, die beim Rideau Rouge Festival als beste Adaption ausgezeichnet wurde. Mehr als ein Kriminalfall ist das Stück ein Eintauchen in die düsteren Abgründe von Sehnsucht, Liebe und Verlust. Es ist ein Theater der zurückhaltenden Emotionen, der bedeutungsschweren Stille, in dem jedes Wort zur Spur derer wird, die zurückbleiben … und desjenigen, der nicht mehr da ist.</div><div><br></div><div> Auf der Bühne, in einem bewusst minimalistischen Ambiente, antworten drei Stimmen einander. Die Stimme von Luca, dem Verstorbenen, der weiter spricht, liebt, zweifelt, als hätte der Tod den Faden seiner Gedanken nicht unterbrochen. Die Stimme von Anna, seiner Partnerin, die versucht zu verstehen, was ihr noch immer entgeht. Und die Stimme von Leo, dem heimlichen Freund, Träger einer verborgenen, nie ganz gestandenen Liebe. Gemeinsam setzen sie die Fragmente einer Geschichte zusammen, in der die Wahrheit niemals einheitlich, sondern vielschichtig, wandelbar und zutiefst menschlich ist.</div><div><br></div><div> Zwischen Selbstreflexion und ergreifender Erzählkunst erkundet das Stück einfühlsam die Widersprüche der Gefühle, die Zerbrechlichkeit romantischer Identitäten und die Schattenseiten, die wir alle in uns tragen. Im Mittelpunkt steht weniger Lucas Tod selbst, sondern vielmehr, wie die Hinterbliebenen versuchen, mit seiner Abwesenheit umzugehen. Wie akzeptiert man Verlust? Wie trauert man um das, was man nicht auszusprechen oder nicht vollends zu erleben wagte?</div><div><br></div><div> Die Kraft von Philippe Bessons Text, vermittelt durch eine werkgetreue und ausdrucksstarke Adaption, findet in den Darbietungen der Schauspieler ein eindrucksvolles Echo. Mathieu Touzés Regie legt Wert auf Zuhören, innere Spannung und den Fluss der Dialoge und lässt der Fantasie des Zuschauers viel Raum.</div><div><br></div><div> „Ein Junge aus Italien“ ist zugleich die erste Bühnenproduktion von Mathieu Touzé und seinem Lieblingsschauspieler Yuming Hey, der kürzlich für den Molière-Preis nominiert wurde. Gemeinsam besiegeln sie eine künstlerische Zusammenarbeit, die vor über zehn Jahren begann und auf dem gemeinsamen Streben nach Genauigkeit, Tiefe und emotionaler Wahrhaftigkeit basiert.</div><div> Eine ergreifende und leuchtende Inszenierung, die uns daran erinnert, dass die Liebe, selbst wenn sie zum Schweigen gebracht wird, selbst wenn sie verloren geht, noch lange nach dem Schweigen zu uns spricht.</div>
